Sepp Blatter und Gianni Infantino. (Montage) © picture alliance/dpa/Sputnik, Joerg Reuther, imago sportfotodienst Foto: Sergey Guneev, Joerg Reuther, ULMER/Michael Kienzler

Football Leaks

Blatter vs. Infantino: "So etwas tut man nicht"

von der Football-Leaks-Redaktion des NDR

FIFA-Präsident Gianni Infantino ist durch die Veröffentlichungen der Football-Leaks-Dokumente gehörig unter Druck geraten. Kritik übt auch sein ebenfalls umstrittener Vorgänger Sepp Blatter.

Joseph Blatter war der mächtigste Mann im Weltfußball - 17 Jahre lang von 1998 bis 2016. Er residierte in der Machtzentrale der FIFA in Zürich, doch sein Zuhause ist bis heute ein kleines Dorf im Wallis. "Ich bin mehr Walliser als Schweizer", sagt der 82-Jährige im Gespräch mit dem NDR und trinkt dabei genüsslich einen Schluck Wein. Schweizer Wein natürlich aus dem Wallis. Sepp Blatter, wie er meistens genannt wird, lebt noch immer in Visp. Ganz anders als sein ebenfalls umstrittener Nachfolger als Präsident der FIFA, Gianni Infantino, der nur zehn Kilometer von Visp entfernt aufgewachsen ist. "Der ist mehr Italiener als Walliser", sagt Blatter. Der alte und der neue FIFA-Chef sind sich nicht grün, reden nicht einmal mehr miteinander. Dabei sind sie sich eigentlich ziemlich ähnlich.

Unter Druck geraten

Blatter ist vor knapp drei Jahren aus seinem FIFA-Chefsessel verbannt worden. Suspendiert wie UEFA-Präsident Michel Platini, dem er eine ominöse Zahlung hatte zukommen lassen. Warum Infantino nun ebenfalls unter Druck geraten ist, zeigen geheime Football-Leaks-Dokumente, die der "Spiegel" erhalten und mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat. Der frühere Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union UEFA hat demnach mit trickreichen Deals beispielsweise dafür gesorgt, dass die aus Katar bzw. Abu Dhabi finanzierten Topclubs Paris Saint-Germain und Manchester City nicht aus der Champions League geflogen sind, obwohl sie gegen das Financial Fairplay verstoßen haben. Der 48-Jährige bestreitet allerdings, gegen Regeln und Statuten verstoßen zu haben.

Sepp Blatter © imago/Geisser

02:02 min | 13.11.2018 | Autor/in: Maaßen, Hendrik

Blatter: "Der Fußball gehört nicht der FIFA"

Mit den Veröffentlichungen aus den Football-Leaks-Dokumenten ist auch FIFA-Präsident Gianni Infantino unter Druck geraten. Was denkt Vorgänger Sepp Blatter über seinen Nachfolger?

Eine Kopie?

Blatter und Infantino gelten beide als Strippenzieher. Vielleicht ist darin der Grund zu finden, warum sie keinerlei Kontakt mehr zueinander haben? Kurz nach Infantinos Wahl war das noch anders. "Ich bedaure das sehr", sagt Blatter über die Funkstille: "So etwas tut man auch nicht." Wie und warum es zu dem Zerwürfnis kam? Der Ältere verrät nur soviel: "Zweimal ist er nach seiner Wahl noch zu mir nach Hause gekommen, und wir haben über verschiedene Sachen geredet. Dann hat er den Kontakt plötzlich abgebrochen." Ungeachtet dessen wird im Dunstkreis der FIFA kolportiert, dass Infantino seinen Vorgänger kopiere. "Ja", sagt Blatter, "das kommt aus vielen Kreisen. Aber man kann jemanden nicht kopieren. Wir sehen ja auch nicht gleich aus."

Meistens geht es ums Geld

Manche Vorhaben allerdings ähneln sich. Blatter hat noch als FIFA-Generalsekretär mit dafür gesorgt, dass die Anzahl der Teilnehmer der WM-Endrunde von 24 auf 32 Teams erhöht wurde, erstmals 1998 in Frankreich. Die höheren Einnahmen spielten dabei eine, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Bei Infantino - die WM-Endrunde 2026 in den USA, Kanada und Mexiko soll nun sogar mit 48 Mannschaften gespielt werden - scheint sich ebenso alles ums Geld zu drehen.

So war es bei den Verstößen von PSG und ManCity mit enorm überbewerteten Sponsorenverträgen und der Verletzung der Regeln des Financial Fairplays. So war es aber auch bei Infantinos Plänen zu einer aufgeblähten Club-Weltmeisterschaft und einer nicht mehr nur kontinentalen, sondern weltweiten Nations League. 25 Milliarden Dollar sollen Investoren dafür geboten haben. Der FIFA-Kongress im Oktober in Ruanda stoppte das Vorhaben (vorerst) und schickte die Pläne zur Prüfung in eine Task Force.

Blatter: "Bin mit mir im Reinen"

Wer die Geldgeber sind, verschweigt Infantino beharrlich. "Er hätte preisgeben müssen, wer das ist", sagt Blatter. In der FIFA denken viele so. Es fragt sich nur, ob  ausgerechnet Sepp Blatter der geeignete Ankläger ist? Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt noch gegen ihn. Unter anderem wegen der Korruptionsaffären während seiner Amtszeit. Noch immer leugnet er seine eigene Verantwortung, tut sich zumindest schwer, sie wenigstens in Teilen einzugestehen. Blatter: "Ich bin mit mir im Reinen."

Übertrumpft Infantino seinen Vorgänger?

Die Football-Leaks-Dokumente lassen vermuten, dass sich Infantino redlich Mühe gibt, seinen Vorgänger nicht nur zu kopieren, sondern sogar zu übertrumpfen. Auf jeden Fall scheint er die Geschicke der FIFA im Stile eines Alleinherrschers regeln und bestimmen zu wollen. So hatte Infantino auch bei der Reform des Ethik-Codes seine Hände im Spiel. Für die Verantwortlichen der eigentlich unabhängigen Kommission hatte er nicht weniger als 14 Vorschläge formuliert. "Das ist nicht die Aufgabe eines Präsidenten in die Kontrollkammer einzugreifen", sagt Blatter. "Das wäre ja schlimm."

Blatter: "Fußball gehört nicht der FIFA"

Infantino ist nach wie vor überzeugt, das Richtige zu tun. "Dann brauchen wir keine Kommissionen mehr", sagt Blatter, der sich selbst als Macher einer besseren Fußball-Welt sieht. Er habe einen Weltverband geschaffen, der besser hätte nicht dastehen können, vor allem finanziell. Eine große Portion Stolz schwingt mit bei diesen Worten im Interview des NDR. Er habe den Fußball globalisiert, die Einnahmen enorm gesteigert, den Fußball aber nicht verkauft: "Den Fußball kann man organisieren, aber nicht verkaufen. Der Fußball gehört nicht der FIFA. Der Fußball gehört den zwei Milliarden Menschen auf der Welt, die den Fußball lieben."

Football Leaks - Von Gier, Lügen und geheimen Deals © NDR

59:57 min | 04.11.2018 | Das Erste | Autor/in: Birgit Wärnke, Nino Seidel, Han Park, Katrin Kampling, Hendrik Maaßen

Football Leaks - Von Gier, Lügen und geheimen Deals

Die Mär von den elf Freunden glaubt ohnehin schon lange niemand mehr. Doch die Realität im Fußballgeschäft ist noch erschreckender. Football Leaks - Von Gier, Lügen und geheimen Deals.

 

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | Football Leaks | 04.11.2018 | 21:45 Uhr

Stand: 15.11.18 12:17 Uhr