Kai Havertz von Bayer Leverkusen © imago/Team 2

Football Leaks

Kreative Wege: Leverkusen und der Havertz-Deal

Kai Havertz gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Damit er bei Bayer Leverkusen bleibt, schloss der Bundesligist offenbar an den Regeln des DFB vorbei einen Vertrag mit den Beratern.

"Er hat einfach die Gabe." Wenn Rudi Völler, der Sportgeschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, über Kai Havertz spricht, sprudeln die Superlative: "Es ist bei ihm ähnlich wie bei Mesut Özil. Dieses Selbstverständliche, den Ball zu streicheln, Dinge, die einfach aussehen, mit völliger Gelassenheit vorzubereiten", schwärmte der frühere Weltklassestürmer schon zu einer Zeit, als der heute 19-Jährige noch gar nicht in der Bundesliga spielte. Die Lobeshymnen auf das Eigengewächs des Werksclubs haben sich längst bestätigt. Sogar in der Nationalmannschaft hat der offensive Mittelfeldspieler jüngst gegen Peru (2:1) debütiert. Bundestrainer Joachim Löw: "Er hat eine unglaubliche Spielintelligenz und wahnsinnige Ruhe am Ball."

Kreative Wege

Havertz spielt noch immer in Leverkusen, wohin er 2010 aus der Jugend von Alemannia Aachen gewechselt war. Vor drei Jahren allerdings ging es los, dass die Berater mehr und mehr um den 16-Jährigen buhlten - und die Konkurrenz Schlange stand im Streben, das kickende Juwel abzuwerben. Ungeachtet der klaren Regeln des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), was Berater und minderjährige Spieler angeht. Der wohl wichtigste Passus dabei ist, dass die Berater mit Jugendlichen kein Geld verdienen dürfen.

Kai Havertz und das Wappen von Bayer Leverkusen

04:30 min | 11.11.2018 | Das Erste | Autor/in: Katrin Kampling/Nino Seidel

Ware Fußball-Talent - Der Fall Kai Havertz

Das Geschäft mit Fußball-Talenten floriert, obwohl laut DFB-Regeln kein Geld mit Minderjährigen verdient werden darf. Der Fall Kai Havertz zeigt, wie findig Berater und Vereine offenbar damit umgehen.

"Berater sind unterwegs, um Geld zu verdienen"

Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, deutet der frühere Frankfurter Bundesligaprofi, Armin Kraaz, im Gespräch mit dem NDR an. "Am Ende des Tages sind Berater unterwegs, um Geld zu verdienen und nicht um irgendeinem Spieler aus fairen Gründen weiterzuhelfen", sagt der 53-Jährige, der bei der Eintracht Leiter des Nachwuchsleistungszentrums ist, in der Sportclub Story des NDR Fernsehens (Sonntag, 23.35 Uhr). "Ich weiß aber, dass es sicherlich Vereine gibt, die auf irgendeinem Wege dem Berater etwas zukommen lassen können." Kreative Wege.

Geheimer Entwurf

Sichtbar werden sie in den geheimen Football-Leaks-Dokumenten, die der "Spiegel" erhalten und mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat. Auch Leverkusen musste sich etwas einfallen lassen, um den "Hochbegabten" halten zu können. Und wurde aktiv: Wie die vertraulichen Papiere zeigen, soll die Berater-Agentur "Spielerrat" eine Vertragsverlängerung und mehr Honorar für den Spieler aushandeln. Mit Leverkusen verabreden sie, was für die Beratung fällig wird. Dazu findet sich in den Daten ein Entwurf, in dem eine einmalige Zahlung in Höhe von 45.000 Euro steht. Plus: zehn Prozent des Brutto-Grundgehaltes sowie weitere zehn Prozent der Brutto-Prämienzahlungen, die der Spieler bekommt.

Bezahlung erst nach dem 18. Geburtstag

Ein vermutlich mehr als problematischer Deal angesichts dessen, dass Havertz zu dem Zeitpunkt noch nicht volljährig war. Die Berater hätten laut DFB-Reglement kein Geld verdienen dürfen. Also wird getrickst und vereinbart, dass die Bezahlung erst dann erfolgt, wenn Havertz nicht mehr minderjährig ist. Eine E-Mail beschreibt diesen Plan: "Die Summe für das 1. Vertragsjahr kriegen wir auch erst nach der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages am 18. Geburtstag von Kai, da eine Zahlung von Provisionen beim Transfer Minderjähriger verboten ist." Die DFB-Regeln wurden schamlos umgangen.

Dementi aus Leverkusen

Die Agentur "Spielerrat" sieht das nicht so. In einer Stellungnahme heißt es: "Zahlungen oder sonstige Leistungen bei Transfers minderjähriger Fußballspieler haben wir zu keinem Zeitpunkt erhalten." Und Leverkusen? Bayer bestreitet die geschilderten Details des zwischen dem Berater und dem Verein geschlossenen Vertrags. Generell würde man zu "Vertragsbeziehungen keine Fragen beantworten. Im Übrigen befürwortet Bayer 04 Leverkusen die Regeln zum Schutz von Minderjährigen des DFB bei der Beratervergütung und befolgt diese auch".

Havertz hat sich in dieser Saison zum Stammspieler gemausert. Er ist überdies der jüngste Bundesligaprofi, der die Marke von 50 Ligaspielen übertroffen hat. Sein aktueller Marktwert wird auf 55 Millionen Euro geschätzt.

Kai Havertz von Bayer Leverkusen © imago/ULMER Pressebildagentur

01:56 min | 10.11.2018 | NDR Info | Autor/in: Cassalette, Moritz

Havertz und die Probleme des DFB, Minderjährige zu schützen

In den DFB-Regeln steht, dass Berater mit minderjährigen Fußballern kein Geld verdienen dürfen. Der Fall von Leverkusens Kai Havertz zeigt, wie die Regeln von Vereinen und Beratern offenbar umgangen wurden.

 

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Football Leaks | 10.11.2018 | 12:00 Uhr

Stand: 10.11.18 12:00 Uhr