Das Stadion von Paris Saint-German und FIFA-Präsident Gianni Infantino (Bildmontage)

01:40 min | 03.11.2018 | Das Erste | Autor/in: Han Park/Sven Lohmann

Wie PSG dank Infantino glimpflich davonkam

Football-Leaks-Dokumente zeigen, dass Paris Saint-Germain gegen das Financial Fairplay verstoßen hat. Die UEFA ermittelte, doch die Strafe fiel vergleichsweise gering aus. Dank Gianni Infantino.

Financial Fairplay

PSG, Financial Fairplay und Infantinos Einsatz

von der Football-Leaks-Redaktion des NDR

Paris Saint-Germain war einmal ein durchschnittlicher französischer Fußball-Club. Wenig Glanz, mittelmäßig erfolgreich und mit einem Haufen Schulden. Heute ist das anders. Der Club strahlt, vor allem dank der vielen Megastars wie Weltmeister Kylian Mbappé oder dem teuersten Spieler der Branche, dem Brasilianer Neymar. Die Millionen kommen aus dem Emirat Katar. Auf trickreichen Wegen am Financial Fairplay vorbei, wie die Football-Leaks-Dokumente zeigen, die dem "Spiegel" vorliegen und die er mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat. Mitten drin mischt der heutige FIFA-Präsident Gianni Infantino mit - vorbei an den Kontrollorganen des Verbandes.

Ein solches Luxusproblem hatte Thomas Tuchel noch nie. "Es ist schon anders. Hier habe ich die besten Spieler der Welt", sagt der deutsche Fußball-Trainer von Paris Saint-Germain bei seiner Vorstellung. Gute Kicker hatte Tuchel auch bei Borussia Dortmund, doch bei dem französischen Erstligisten hat er nun die besten und teuersten der Branche im Kader. Im Brasilianer Neymar, der für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona kam, sogar den teuersten von allen. Das Geld stammt aus Katar, das aus dem mittelmäßigen PSG einen Spitzenclub gemacht und es mit den Regeln des Financial Fairplays dabei nicht so ernst genommen hat. Das geht aus Football-Leaks-Dokumenten hervor, die dem "Spiegel" vorliegen und die er mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat.

Sponsorenverträge massiv überbewertet

Textdokument © NDR

Auszug aus einem Prüfbericht der Agentur Octagon, die den mit 200 Mio. Euro dotierten QTA-Vertrag mit Paris Saint-Germain ergeblich niedriger bewertet.

Es begann im Jahr 2011, als der Emir von Katar beschloss, das mit 240 Millionen Euro verschuldete PSG zu kaufen - und in den sieben Jahren bis zur Saison 2017/18 insgesamt 1,89 Milliarden Euro in den französischen Fußballverein pumpte. 527 Millionen Euro davon stammten vom Aktionär QSI (Qatar Sports Investment), dessen CEO zugleich Präsident von PSG ist: Nasser Al-Khelaifi. 1,358 Milliarden Euro kamen von katarischen Sponsoren. Deren Sponsoring-Verträge allerdings teils massiv überbewertet waren, wie Experten im Auftrag der UEFA herausfanden. Allein der mit rund 200 Millionen Euro pro Jahr dotierte größte Vertrag mit der Qatar Tourism Authority (QTA), der eine Laufzeit von 2012 bis 2017 hatte, sei 40- bis 60-mal weniger wert - realistische 2,78 Millionen Euro.

PSG trickst bei Einnahmen

Die katarischen Sponsoring-Verträge sollen laut der Football-Leaks-Dokumente während der sieben Jahre durchschnittlich 215 Millionen Euro per anno eingebracht haben. Ohne die überbewerteten Sponsorenzahlungen wären die Einnahmen des Clubs geringer und die Bilanz in den vergangenen vier Spielzeiten deutlich negativer ausgefallen. Ein Verstoß gegen die FFP-Vorschriften des Europäischen Fußball-Verbandes UEFA wäre die Folge gewesen. Gemäß dieser Richtlinien dürfen Schulden zwar von Investoren ausgleichen werden, allerdings nur bis maximal 45 Millionen Euro und seit 2015 nur noch bis 30 Millionen Euro. Der Grund: Die Vereine sollen nur so viel Geld ausgeben, wie sie einnehmen. Nicht mehr für Spieler zahlen, als sie durch Verkäufe, TV-Rechte oder Sponsoren verdienen.

Geldbündel liegen auf einem Fußballplatz. © Phantermedia/maxxyustas, fotolia/jarma

11:54 min | 02.11.2018 | NDR Info | Autor/in: Cassalette, Moritz/Maaßen, Hendrik

Die Trickserei der Scheich-Clubs

Die Pläne der großen europäischen Clubs sind noch viel konkreter als bisher angenommen. Und Topvereine wie PSG und Manchester City tricksen, um wichtige Regeln zu brechen.

"Ernsthafte Herausforderung"

"Diese Regel wird eine ernsthafte Herausforderung für Paris Saint-Germain werden", stand bereits im Strategiepapier des Vereins für die Jahre 2012 bis 2017. Zumal im Finanzbericht, den PSG im Juli 2013 an die Ermittlungskammer - mit dem Namen Investigatory Chamber (IC) - geschickt hatte, nichts von einem QTA-Vertrag stand. Der IC ist die Kammer der UEFA, die Verstöße der Clubs gegen das Financial Fairplay untersucht. Ein Verfahren wurde eingeleitet, aber nicht zu Ende geführt. Es mischten sich die beiden hochrangigsten Funktionäre der UEFA ein: Präsident Michel Platini und Generalsekretär Gianni Infantino.

Unabhängigkeit verletzt

Laut Football Leaks versorgten sie PSG schon in der Vorbereitung der IC-Anhörung mit zweifelhafter Hilfe und Informationen. Vertrauliche Informationen direkt aus dem IC bekam PSG, dessen Präsident Nasser Al-Khelaifi inzwischen zum Minister und somit zum Regierungsmitglied geworden war, seit Dezember 2013 offenbar vom französischen Anwalt Yves Werhli. Was PSG bestreitet. Man habe mit Werhli nicht  zusammengearbeitet. Werhli ist ein Mitglied des IC sowie Freund und Anwalt des damaligen UEFA-Präsidenten Platini, außerdem Leiter des Pariser Büros der Anwaltskanzlei Clifford Chance, die den Staat Katar berät.

Ein Fußball liegt auf auf einem Stück Rasen, auf dem ein Euro-Zeichen als Schatten zu sehen ist. © fotolia/thaiview

07:35 min | 02.11.2018 | NDR Info | Autor/in: Cassalette, Moritz/Maaßen, Hendrik

Die Geldflut aus Katar

Wie und warum das Wüstenemirat Katar den europäischen Fußball aufmischt.

Zweifel am Wert der Verträge

Der IC beauftragte derweil im Januar 2014 die Beratungsfirma Deloitte mit einer Finanzprüfung. Ergebnis: QTA sei "eine nahestehende Partei", zudem gebe es Zweifel am Wert der Verträge. Ein Verstoß, weil Sponsoren laut FFP-Regularien nur dann zusätzliche Einnahmen überweisen dürfen, wenn sie in keiner direkten Beziehung zum Eigentümer stehen. Und die Beträge müssen natürlich eine realistische Dimension haben.

Infantino: Werden eine Lösung finden

Ein Verstoß? Es kam anders: Und daran hatte der damalige UEFA-Generalsekretär und heutige FIFA-Chef Gianni Infantino einen nicht unerheblichen Anteil. Nach einem geheimen Meeting am 27. Februar 2014 in der UEFA-Zentrale in Nyon, an dem er, Platini, Nasser Al-Khelaifi und Blanc teilnahmen, kam es zu weiteren (konspirativen) Treffen Infantinos mit den PSG-Chefs. Dabei handelte er einen Deal aus, von dem die eigene Ermittlungskammer nichts wusste. In Mails prognostizierte er ein gutes Ende: "Wenn wir uns auf die Prinzipien einigen, wird die Umsetzung kein Problem sein." Oder: "Ich bin optimistisch, dass wir eine Lösung finden."

Rücktritt des Chefkontrolleurs

Tatsächlich kam es zu einer Einigung. Und die sah kurz gesagt so aus: Der QTA-Sponsorenvertrag wurde halbiert, aber immer noch mit 100 Millionen Euro bewertet, obwohl die Gutachter ihn mit nur 2,78 Millionen Euro taxiert hatten. Außerdem wurde vereinbart, dass PSG in der Saison 2014/15 nur 21 statt 25 Spieler in der Königsklasse einsetzen durfte und eine temporäre Gehaltsobergrenze einhalten musste. Der Club aus der französischen Hauptstadt solle ganz allgemein sparsamer sein und künftig die Regeln einhalten. Dann würden von der Geldstrafe in Höhe von 60 Millionen Euro 40 Millionen Euro zurückerstattet werden. Der außerhalb der regulären Wege verhandelte Deal wurde der Ermittlungskammer zur Unterschrift vorgelegt. Der Vorsitzende, der Schotte Brian Quinn, machte aber nicht mit und reichte seinen Rücktritt ein. Offenkundig waren die Auffassungen zu unterschiedlich.

PSG: QTA kein Sponsorenvertrag

Während Infantino schriftlich dazu keine Stellung nahm und auch die Fragen des NDR am Rande des FIFA-Kongresses Ende Oktober in Ruanda nicht beantwortete, verwies PSG in einer Stellungnahme darauf, dass der QTA-Vertrag kein Sponsorenvertrag im eigentlichen Sinne sei. Es sei "ein Vertrag, um das Image eines Landes zu bewerben. Die Bewertungsmethoden der UEFA können deshalb nicht angewendet werden". Zudem seien die Beschreibungen der Vorgänge nicht korrekt. Überdies sei unfair, dass das Niveau der Steuerzahlung nicht berücksichtigt werde. Im Jahr 2017 habe PSG 77,5 Millionen Euro soziale Steuern gezahlt. Doppelt soviel wie ManCity, achtmal mehr als der FC Barcelona und 250-mal mehr als Bayern München.   

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | 04.11.2018 | 21:45 Uhr

Stand: 02.11.18 19:00 Uhr