Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan vor dem Logo von Manchester City (Montage) © picture alliance Foto: ZUMAPRESS.com

Financial Fairplay

ManCity, Financial Fairplay und Deals nach Infantino-Art

von der Football-Leaks-Redaktion des NDR

Die Fälle ähneln sich: Manchester City hat wie Paris Saint-Germain offenbar gegen das Financial Fairplay der UEFA verstoßen und sich dank nahezu unerschöpflicher finanzieller Möglichkeiten einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Bei dem Club aus der englischen Premier League stammen die Milliarden Euro von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi am Persischen Golf. Doch die Sponsoren-Verträge wurden von der UEFA als überbewertet beurteilt. Der damalige UEFA-Generalsekretär, Gianni Infantino, mischte sich ein und fädelte an der Kontroll-Kammer vorbei einen Deal ein, der stark an PSG erinnert. Das geht aus Football-Leaks-Dokumenten hervor, die der "Spiegel" erhalten und mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat.

Auf Manchester City ist Schalkes Manager Christian Heidel nicht sonderlich gut zu sprechen. Der reiche Club aus der englischen Premier League hat in Leroy Sané nicht nur einen der hoffnungsvollsten deutschen Nationalspieler geholt, sondern zugleich ein besonderes Eigengewächs der Gelsenkirchener. Heidel hätte den Youngster gern als Integrationsfigur bei den Königsblauen gehalten. Doch gegen das große Geld des von Pep Guardiola trainierten ManCity, kam der Revierclub nicht an. "Das ist so, da muss man nicht lange drum rumreden. Es gibt ein paar Clubs, die bekommen so viel Geld von Investoren, die können sich kaufen, wen sie wollen", sagt Heidel in der ARD-Dokumentation "Football Leaks: Von Gier, Lügen und geheimen Deals" (Sonntag, 21.45 Uhr im Ersten).

Geldbündel liegen auf einem Fußballplatz. © Phantermedia/maxxyustas, fotolia/jarma

11:54 min | 02.11.2018 | NDR Info | Autor/in: Cassalette, Moritz/Maaßen, Hendrik

Die Trickserei der Scheich-Clubs

Die Pläne der großen europäischen Clubs sind noch viel konkreter als bisher angenommen. Und Topvereine wie PSG und Manchester City tricksen, um wichtige Regeln zu brechen.

Der Reichtum kommt aus Abu Dhabi

Für den damals 20-jährigen Sané, dessen Marktwert inzwischen geschätzte 90 Millionen Euro betragen soll, hat Schalke im August 2016 angeblich eine Ablöse von 50,5 Millionen Euro bekommen. Bei Manchester City (MCFC) kommt das Geld von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus der Herrscherfamilie von Abu Dhabi - genauer gesagt von seiner Firma Abu Dhabi United Group. Er hat den Club im Jahr 2008 gekauft und mit allerlei Tricks zu einer europäischen Spitzenadresse gemacht.

PSG als Blaupause

Die Methoden ähneln sich, wie ManCity und das aus Katar finanzierte Paris Saint-Germain die Regeln des Financial Fairplay (FFP) umgangen haben. Und wieder war der damalige Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union UEFA, Gianni Infantino, der seit Februar 2016 FIFA-Präsident ist, als Helfer in der Not mit von der Partie. Wie die Football-Leaks-Dokumente enthüllen, hat ManCity Verträge von Sponsoren nachträglich höher bewertet und teilweise zurückdatiert. Zudem wurden Vertragsklauseln im Nachhinein eingefügt. Zahlungen des MCFC-Besitzers wurden als Sponsoreneinnahmen verbucht, was einen Verstoß markierte, weil sie als eigentümernah eingestuft werden mussten.

Regeln missachtet

Manchester City hatte zunächst versucht, das Defizit kleinzurechnen. Und wie PSG mit einer Klage gedroht, weil das Financial Fairplay aus ihrer Sicht illegal und somit ungültig sei. Infantino verhandelte derweil - wie im Fall Paris Saint-Germain - am Investigatory Chamber (IC) der UEFA vorbei mit ManCity über einen Deal. Er arbeitete die Einigungspunkte, die der Club vor der Kontrollkammer der UEFA präsentieren musste, gleich selbst mit aus. Er missachtete die Regeln seines Verbandes offenbar, um einen Verein im großen Fußball-Geschäft zu halten. Trotzdem gab es Ärger - und das kam so.

ManCity droht mit Klage

Weil ManCity schlecht gewirtschaftet hatte, konnte die sogenannte "Break-even-Regel" nicht eingehalten werden. Statt auf Dauer nicht mehr auszugeben, als einzunehmen, schlug für die Jahre 2009 bis 2011 ein Defizit von 451 Millionen Euro zu Buche. Die UEFA überprüfte den Club und mahnte schon im November 2012 einen Verstoß gegen das Financial Fairplay an. Danach verging eine ganze Weile, ehe sich im März 2014 Infantino und der CEO von Manchester City, Ferran Soriano, trafen. In einem Skript heißt es, dass Soriano wegen der FFP-Regeln vor EU-Gerichte ziehen wollte. Man einigte sich schließlich darauf, ein Agreement auszuhandeln.

Scheinvertrag bringt Ärger

Nach diversen Telefonaten und Treffen kam es am 27. April zu diesem Deal: Manchester City gibt den Verstoß zu, Sponsoren-Verträge werden geringer bewertet. Die Strafen auf den sportlichen Bereich wurden kleingehalten. Aber ManCity sollte wie PSG rund 60 Millionen Euro Strafe zahlen, die analog auf 20 Millionen Euro reduziert werden konnten. Soriano war damit überhaupt nicht einverstanden und polterte: Die Einigung sei unfair und die größte Strafzahlung im Fußball. Es kam noch ärger: In einem Bericht von UEFA-Ermittler Umberto Lago wurde ein Scheinvertrag zwischen Manchester City und einem Sponsor erwähnt.

"Danke für ihr Vertrauen"

Der Club sollte in der Folge  sanktioniert und möglicherweise (für europäische Wettbewerbe) gesperrt werden. Infantino aber beruhigte und schrieb noch am selben Tag an ManCity. In dem Schreiben tauchen die Worte "Vertrauen" und "positives Denken" auf. Tatsächlich schickte Infantino im Mai 2014 Möglichkeiten einer Einigung an Khaldoon Al-Mubarak, der sowohl Chef eines großen Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als auch von Manchester City ist. Infantino schrieb unter anderem: "Das ist alles unter uns. Danke für Ihr Vertrauen. Sie wissen, dass Sie mir vertrauen können." Die Fragen des NDR ließ Infantino am Rande des FIFA-Kongresses Ende Oktober in Ruanda unbeantwortet.

Infantino entschuldigt sich

Es folgte ein geheimes Treffen in London, bei dem Infantino, Khaldoon Al-Mubarak und Soriano den Deal perfekt machten. Eine Einigung mit der UEFA gab es zunächst trotzdem nicht. Die Positionen lagen bei der Präsentation tags darauf zu weit auseinander. Infantino entschuldigte sich prompt für das Verhalten der Kammer. Sie sei eben unabhängig, meinte er. Am Ende stimmten die Bosse von Manchester City dem Agreement zähneknirschend zu. Sie wollten die Risiken und Kosten weiterer Prozesse nicht tragen, heiß es. Eine Stellungnahme lehnte ManCity wie Infantino ab.

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | 04.11.2018 | 21:45 Uhr

Stand: 02.11.18 19:00 Uhr