Bayern Münchens Chefjurist Michael Gerlinger sitzt an seinem Schreibtisch. © NDR

Financial Fairplay

Bayern-Jurist Gerlinger: "Am Rande zum Unfairen"

von der Football-Leaks-Redaktion des NDR

Der Jurist Michael Gerlinger ist seit 2005 beim FC Bayern München und leitet dort die mit ihm gegründete Rechtsabteilung - die inzwischen mit den Bereichen Personal und institutionelle Beziehungen erweitert wurde. Der Direktor Recht des deutschen Rekordmeisters hat zum Thema "Regelverstoß im Sport und unlauterer Wettbewerb" promoviert und zudem das FIFA-Masterstudium mit dem Schwerpunkten Recht und Management abgeschlossen. Seit Karl-Heinz Rummenigge im vorigen Jahr den Vorsitz der Europäischen Klub-Vereinigung ECA abgegeben hat, sitzt Gerlinger dort als Vertreter des FC Bayern im gewählten ECA-Vorstand. Der Jurist zählte 2007 zur Gruppe von Vereinsvertretern, die an der ECA-Gründung mitgewirkt haben.

Manche Vereine bekommen viel Geld beispielsweise aus den Emiraten oder Katar. Fühlen Sie sich noch in einem fairen Wettbewerb?

Gerlinger: Es ist am Rande zum Unfairen. Noch nicht ganz, aber es ist am Rand. Und da muss mehr getan werden, unserer Meinung nach. Wir kennen die Zahlen von anderen Vereinen natürlich nicht. Aber wir haben das Gefühl, dass teilweise Sponsoring-Verträge, Naming-Right-Verträge (Verträge das Namensrecht betreffend, Anm.d.Red.) etc. überzogen abgeschlossen werden, um Geld speziell in bestimmte Vereine hineinzupumpen.

Hat sich das Financial Fairplay bewährt?

Gerlinger: Nur eingeschränkt. Was wir erreicht haben ist, dass die Schulden der Vereine seit Einführung von Financial Fairplay sehr stark zurückgegangen sind. Das ist ein großer Erfolg, dass der Wettbewerb gesünder geworden ist. Was wir nicht erreicht haben ist, dass die Vereine auch nur das ausgeben, was Sie einnehmen.

Was bedeutet es beispielsweise für den FC Bayern, wenn Financial Fairplay in Europa nicht gut funktioniert?

Gerlinger: Erhöhter Druck auf dem Transfermarkt. Wir wollen ein Titelkandidat für die Champions League bleiben. Und da sind wir im Wettbewerb mit genau diesen Vereinen. Nicht nur bei der Transfersumme - wichtiger ist für uns fast noch beim Gehalt. Da bekommen wir Probleme … Diese ganz wilden Dinger wie Neymar und Mbappé können wir nicht mitgehen. Die können wir auch in Zukunft nicht machen. Das liegt aber eher daran, dass andere Vereine auf einmal so viel Geld haben.

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | 04.11.2018 | 21:45 Uhr

Stand: 02.11.18 17:59 Uhr