Karl Heinz Rummenigge am Rednerpult vor dem Logo des FCB © imago Foto: Ulmer/Cremer

02:01 min | 04.11.2018 | Das Erste | Autor/in: Sven Lohmann

Bayern München und die Super-League-Pläne

Wie der FC Bayern München an den Plänen einer Super League mitgewirkt hat. Auch ein Bundesliga-Ausstieg wurde geprüft, aber wieder verworfen.

Super League

Super League: So war der geheime Deal der Bayern

von der Football-Leaks-Redaktion des NDR

Der FC Bayern München ist Spitze im deutschen Profifußball. Die größten Stars, die meisten Titel und vor allem: die höchsten Einnahmen. Und trotzdem fürchtet der Rekordmeister, den Anschluss an die milliardenschwere Konkurrenz aus Paris oder Manchester zu verlieren. Als Lösung wurde eine ohne die UEFA organisierte Super League gehandelt, wie Football-Leaks-Dokumente zeigen, die der "Spiegel" erhalten und mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat.

Wenn Michael Gerlinger allmorgendlich sein Fahrrad vor den Toren des FC Bayern München abstellt, wirkt er so gar nicht wie einer der Anführer einer Revolution im europäischen Fußball. "Den Dienstwagen habe ich abgegeben, weil ich in die Nähe ziehe", sagt der 45-Jährige in der ARD-Dokumentation "Football Leaks: Von Gier, Lügen und geheimen Deals" (Sonntag, 21.45 Uhr im Ersten). Dabei ist der Jurist, der seit 2005 bei den Bayern ist und als Nachfolger von Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge gehandelt wird, Teil eines elitären Kreises von sieben europäischen Top-Clubs, die in geheimen Absprachen und Hinterzimmer-Deals an einer Super League gebastelt haben. Die sieben Clubs sind: FC Bayern München, Juventus Turin, FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United, FC Arsenal und AC Milan.

Signal aus Bayern: Brauchen die UEFA nicht

Gerlinger war mittendrin, sollte Geschäftsführer einer Firma namens "The Super League Limited" mit Sitz in London werden. Die Pläne dienten angeblich nur als Druckmittel bei den Verhandlungen der in dieser Saison umgesetzten Champions-League-Reform, die den erfolgreichsten Clubs mehr Geld bringen wird. Wie sich die Clubs von den Verbänden lösen können, hat Gerlinger im Auftrag der Sieben schon prüfen lassen. Die Informationen stammen aus Football-Leaks-Dokumenten, die dem "Spiegel" vorliegen und die er mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat. "Hi, ich habe ein interessantes Anliegen, womit wir Euch beauftragen wollen", schrieb er der Anwaltskanzlei Cleary, Gottlieb, Steen und Hamilton.

Ein Kreis mit sieben Vereinslogos symbolisiert die "Super League" © NDR

15:19 min | 02.11.2018 | NDR Info | Autor/in: Cassalette, Moritz/Maaßen, Hendrik

Der brisante Plan des FC Bayern

Wie die großen europäischen Clubs wie Bayern und Real noch größer werden wollen und dafür an einer Revolution arbeiten.

Austritt aus der Bundesliga?

"Die UEFA hat von uns die Message bekommen: Wir brauchen euch nicht", sagt Gerlinger. "Wir wollen es nicht, aber wenn es soweit kommt, dass man es nicht mehr gemeinsam macht, dann wären wir bereit, es auch selber zu machen." Sogar mit dem Gedanken an einen Austritt aus der Champions League (CL) und möglicherweise auch der Bundesliga und den anderen nationalen Ligen haben die Sieben gespielt - und der UEFA wohl auch gedroht. Die Europäische Fußball Union hat, wie die Football-Leaks-Dokumente zeigen, zähneknirschend nachgegeben. Lieber die Königsklasse nach den Vorstellungen der Topvereine reformieren, als ihre Publikumsmagneten zu verlieren.

Bei den Großen klingelt die Kasse

Herausgekommen ist eine Champions League 2018, die einer Kopie der geplanten Super League sehr nahe kommt. Unter anderem bekommt die Bundesliga wie die drei anderen Top-Ligen aus Spanien, Italien und England vier feste Startplätze. Der wichtigste Punkt aber ist: Es gibt höhere Leistungsprämien für die erfolgreichsten Teams und weniger Antrittsgeld für alle. Sieben der insgesamt zwölf Milliarden Euro werden an die 14 Top-Clubs der Königsklasse ausgeschüttet, was einen Zuwachs von 47 auf rund 60 Prozent bedeutet. Bei den Großen klingelt die Kasse - das war das Ziel. Und Rummenigge präsentierte sich wie sein Nachfolger als Vorsitzender der European Club Association (ECA), Andrea Agnelli von Juventus Turin, nach wochenlangem Schweigen als Retter der Champions League.

Schere geht weiter auseinander

"So wie der Fußball einmal war, wird er nie mehr sein", sagt Georg Pangl. Er ist Generalsekretär des 1997 gegründeten Verbands Europäischer Professioneller Fußball-Ligen (EPFL), der sich jüngst in European Leagues (EL) umbenannt hat. Pangl ist der Vertreter aller Ligen, aber mittlerweile kämpft der Österreicher eher für die kleinen Clubs. Damit die Schere zwischen den Großen, Reichen und den anderen nicht noch weiter auseinandergeht. "Wenn die Großen gleich groß bleiben und die Kleinen wachsen dürfen, das wäre für uns der Idealzustand", sagt er.

Ein Fußball liegt auf auf einem Stück Rasen, auf dem ein Euro-Zeichen als Schatten zu sehen ist. © fotolia/jarma

00:25 min | 04.11.2018 | Das Erste

Super League: Pläne liegen auf dem Tisch

Die Pläne für eine europäische Super League liegen auf dem Tisch. Wissen wollen die Manager Top-Fußballclubs davon nichts...

Schock für die "Kleinen"

Aber Pangl und seine Mitstreiter müssen erkennen, dass sie auf verlorenem Posten stehen. Das vom NDR Rechercheteam vorgelegte geheime Hochglanz-Konzept zur Super League ist für Pangl & Co. ein Schock. "Die Frage ist, ob es für einen Fan Sinn macht, jede Woche Kaviar zu haben? Man braucht das tägliche Brot", sagt Pangl und schaltet bei der Frage nach der Nachhaltigkeit zurück in den Kampfmodus: "Was heißt das für die Zukunft? Wenn sie (die Super-League-Vereine/Anm. d. Red.) aus ihrer nationalen Liga ausgeschlossen sind - was gibt’s dann noch? US- und Asien-Tourneen und sonst was?"

Rummenigges Kampfansage

Die sieben Top-Clubs ticken anders: Als im Jahr 2015 die Forderung nach einer Reform der Champions League publik wurde, brachte Bayern-Boss Rummenigge am 12. Januar 2016 die Super League öffentlich ins Gespräch. Bei einer Veranstaltung in Italien sagte er laut "Süddeutscher Zeitung": "Ich schließe es nicht aus, dass man in Zukunft eine europäische Liga gründet, in der die großen Teams aus Italien, Deutschland, England, Spanien und Frankreich spielen." Dabei sei die Organisation der Liga durch die UEFA "oder auch privat" möglich. Eine Kampfansage.

Was wäre wenn?

Detailfragen wurden derweil im Verborgenen geprüft: Bleiben die Spielerverträge gültig, wenn sie aus der UEFA aussteigen? Dürfen die Spieler weiter in ihren Nationalmannschaften spielen? Können die Verbände die Vereine etwa wegen Einnahmeverlusten verklagen? Können die Spieler ihre Verträge bei einem Wechsel in die Super League aufkündigen und ablösefrei wechseln? Die Bayern und 15 weitere der erfolgreichsten und namhaftesten Clubs Europas sollten dabei sein, Abstieg ausgeschlossen. Weitere acht Clubs wären für eine Saison eingeladen worden. Borussia Dortmund war ein Kandidat.

Super League als Geldregen

Streng vertraulich wurde bereits dokumentiert, mit wie viel Geld die Spitzenclubs rechnen könnten. Der FC Bayern beispielsweise hätte im Vergleich zur Champions League mehr als das Dreifache verdienen können. Bis zu 193 Millionen Euro statt 57 Millionen Euro wie in der CL-Saison 2016. Gerlinger bestätigte in der ARD-Doku, dass "es Gespräche und Treffen gab". Andere wie Ed Woodward, der Vizepräsident von Manchester United, gaben sich komplett zugeknöpft. Bei der Frage zu den Plänen einer Super League schüttelt er nur den Kopf und sagte auf Nachfrage: "Kein Kommentar."

Raus aus der Bundesliga?

Dabei belegen die Football-Leaks-Dokumente die Treffen der Sieben und den Fortgang ihrer Gespräche. So auch das Meeting am 21. Juni 2016, bei dem klar wurde, dass die Option A der SL-Pläne, wonach die Teams auch aus der Bundesliga bzw. ihrer nationalen Liga ausscheiden, verworfen worden war. Alles sollte bleiben, wie es ist (Option B), nur die Vereine würden nicht mehr in der Champions League, sondern in der Super League spielen. Einen Monat später, am 14 Juli, trafen sich die sieben beteiligten Clubs im Camp-Nou-Stadion des FC Barcelona. Anhand des Mailverkehrs wird klar, dass die CL-Reform plötzlich mit Priorität "gespielt" wurde.

Super League aktuell wie nie

Am 8. August 2016 kam es schließlich zu einem Handshake-Meeting im Flughafen Genf zwischen Vertretern der UEFA (Theodore Theodoris, Giorgio Marchetti) auf der einen Seite sowie Bayern München, Barcelona und Real Madrid auf der anderen. Zwei Wochen danach (26. August) erfuhren auch die anderen ECA-Clubs von der in geheimen Deals durchgeboxten Reform.

Doch eine geheime Mail stellte am 22. Oktober 2018 alles wieder auf den Kopf. Im Schreiben der Firma "Key Capital Partners" mit Sitz in Madrid geht es um die "European Super League", die in der Saison 2021/22 mit 16 Topclubs ohne Beteiligung der UEFA in Eigenregie starten soll. Bayern München und Borussia Dortmund sollen mit dabei sein, noch im November eine "bindende Absichtserklärung" unterschreiben. Auf Anfrage teilten die Münchner mit: "Weder die Existenz noch der Inhalt" des Entwurfs sei dem Verein bekannt. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ließ die Pläne unkommentiert.

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | 04.11.2018 | 21:45 Uhr

Stand: 02.11.18 18:00 Uhr