Darstellung der Justitia mit Fussbällen in den Wagschalen (Montage) © picture alliance Foto: Peter Steffen

Financial Fairplay

Financial Fairplay: Eine Regel nur für die Kleinen?

von der Football-Leaks-Redaktion des NDR

Beim Financial Fairplay sind nicht wirklich alle gleich. Die Großen und Reichen wurden sogar von höchster Stelle geschützt. In geheimen Deals wurden Vereinbarungen getroffen. Sperren blieben aus.

Financial Fairplay (FFP) soll die Fußball-Welt gerechter machen. So hatte es sich die Europäische Fußball-Union UEFA vor gut zehn Jahren ausgedacht. Für die Deutsche Fußball Liga (DFL) war Christian Müller bei der Ausarbeitung der Finanzregeln mit von der Partie. Es war die Zeit, "als die meisten europäischen Clubs hohe Verluste erzielt haben", sagt Müller, der heute den Studiengang Sportmanagement an der Hochschule Fresenius in Köln leitet. "Die sogenannten überfälligen Verbindlichkeiten sollten mit dem Konzept des Financial Fairplay in den Griff bekommen werden, was auch funktioniert hat", meint Müller. Heutzutage ist allerdings die sogenannte Break-even-Regel relevanter. Sie soll das finanzielle Gleichgewicht der Clubs sicherstellen. Oder wie Müller sagt: "Kein Club soll auf Dauer sehr viel mehr ausgeben, als er einnimmt."

Zweifelhafte Schlupflöcher

Tatsächlich wurden seit 2011 knapp 60 Strafen gegen europäische Vereine verhängt. In der Regel wurden Geldstrafen, aber auch Sperren für die internationalen Wettbewerbe ausgesprochen. Das klappte aber vor allem bei den reichsten Clubs nicht immer reibungslos, weil die Unabhängigkeit der Kontrollgremien teilweise sogar von oberster Stelle konterkariert wurde. Beispiele für zweifelhafte Schlupflöcher hat das mit 70 Millionen Dokumenten größte Datenleck des Fußballs zuhauf zu Tage gefördert. Der frühere UEFA-Generalsekretär, Gianni Infantino, der seit Anfang 2016 mächtiger Präsident des Weltfußball-Verbandes FIFA ist, war bei den Ermittlungen gegen die milliardenschweren Top-Clubs Paris Saint-Germain und Manchester City im Zentrum aktiv, fädelte in geheimen Gesprächen Deals ein.

Heidel nennt Geldstrafen "Witz"

Geldbündel liegen auf einem Fußballplatz. © Phantermedia/maxxyustas, fotolia/jarma

11:54 min | 02.11.2018 | NDR Info | Autor/in: Cassalette, Moritz/Maaßen, Hendrik

Die Trickserei der Scheich-Clubs

Die Pläne der großen europäischen Clubs sind noch viel konkreter als bisher angenommen. Und Topvereine wie PSG und Manchester City tricksen, um wichtige Regeln zu brechen.

Dass am Ende nicht vielmehr als eine Geldstrafe herauskam, hält Schalkes Manager Christian Heidel schlicht und ergreifend für einen "Witz". Diesen Machenschaften könne man nur Herr werden, wenn man den Vereinen etwas wegnimmt. "Ehre, Ruhm und Punktabzug - oder die Teilnahme an der Champions League", so Heidel. "Aber jemandem zu sagen, der auf Milliarden sitzt, du bekommst mal 50 oder 60 Millionen Euro Geldstrafe? Ich glaube, die waren einen saufen anschließend, weil es die gar nicht interessiert."

Chefermittler tritt zurück

Statt die Kontrollorgane ungestört ihre Arbeit machen zu lassen und das Einhalten des Financial Fairplays zu überwachen, mischte sich Infantino ein und verhalf den von Investoren aus  Katar bzw. Abu Dhabi geführten Vereinen zu milden Strafen. Mit Blick auf die Football-Leaks-Dokumente wird klar, wie der damalige UEFA-Präsident Michel Platini und vor allem Infantino Vorschläge für einen Vergleich gleich selbst mit ausgearbeitet haben. Ein Regelbruch, durch den die Ermittlungskammer der UEFA umgangen wurde. Sie hätte unabhängig einen Bericht verfassen und selbst entscheiden müssen, ob es ein Verfahren vor der Bestrafungskammer geben sollte, einen Vergleich oder die Einstellung des Verfahrens. Eigentlich. FFP-Chefermittler Brian Quinn (Schottland) war das offenbar alles zuviel. Als im Mai 2014 die Vergleiche mit PSG und Manchester City unterzeichnet werden sollten, trat er zurück.

UEFA: Unterstützung ja - Einmischung nein

Die Europäische Fußball-Union erklärt dazu, dass alle Entscheidungen vom "Club Financial Control Body" (CFCB) der UEFA getroffen werden. "Es ist eine unabhängige Kammer, die sich aus einer Ermittlungs- und einer Bestrafungskammer zusammensetzt." Die Administration der UEFA - und dazu gehöre auch der Generalsekretär des Verbandes - könne die CFCB assistieren und unterstützen. Das schließe Diskussionen, Treffen und das Finden von Vereinbarungen ein. Die CFCB sei aber selbstverständlich komplett unabhängig und frei in ihren Entscheidungen.

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | 04.11.2018 | 21:45 Uhr

Stand: 02.11.18 19:00 Uhr