Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München © Witters

04:24 min | 03.11.2018 | Das Erste | Autor/in: Birgit Wärnke/Tim Tonder

Bayern München und die Entwicklung der Super-League-Pläne

Football-Leaks-Dokumente belegen, dass die europäischen Topclubs den Gedanken der Solidarität längst aufgegeben haben. Mittendrin in den Planungen einer Super League war auch der FC Bayern München.

Super League

Rummenigge: "Wir stehen zur Bundesliga"

von der Football-Leaks-Redaktion des NDR

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat erklärt, nicht an einen Austritt aus der Bundesliga zu denken. Ebenso sei ein Abschied aus der Champions League bis mindestens 2024 kein Thema. Georg Pangl, Vertreter der europäischen Fußball-Ligen, fordert derweil einen Ausschluss der Topclubs aus den nationalen Ligen, sollten die Super-League-Pläne umgesetzt werden.

Die Reaktion des FC Bayern München ließ nicht lange auf sich warten. Zweieinhalb Stunden nachdem die Berichte über die Pläne einer European Super League (ESL)  veröffentlicht waren, meldete sich der Rekordmeister am Freitagabend auf seiner offiziellen Website zu Wort. "Der FC Bayern München steht zu seiner Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga und solange ich Vorstandvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von UEFA und ECA gemeinsam organisierten Club-Wettbewerben“, wird Clubchef Karl-Heinz Rummenigge in der Erklärung zitiert. Die ESL-Pläne stammen aus den 70 Millionen Dokumenten der Enthüllungsplattform Football Leaks, die der "Spiegel" erhalten und mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat.

Rummenigge: Bis mindestens 2024 in der Champions League

Die neue Liga der europäischen Topclubs soll in der Saison 2021/22 starten. Ob Rummenigge dann noch Vorstandsvorsitzender des FC Bayern sein wird, darf zumindest bezweifelt werden. Während der Aufsichtsrat den bis Ende 2019 laufenden Vertrag mit dem früheren Nationalspieler verlängern möchte, hat Rummenigge nämlich bereits mehrfach angedeutet, auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger zu sein. Vor dem Bundesligaspiel in der Münchner Arena gegen den SC Freiburg sagte Rummenigge dem Pay-TV-Sender "Sky": "Wir stehen total zu unserer Mitgliedschaft in der Bundesliga und analog natürlich auch zur UEFA, die ja die anderen europäischen Wettbewerbe organisiert. Das war bei uns auch nie ein Thema, das infrage gestellt wurde." Der Bayern-Boss erklärte, bis mindestens 2024 in der Champions League bleiben zu wollen.

Nie zum Nachteil der Kleinen gehandelt

Dass er während seiner Zeit als Chairman der Europäischen Cluborganisation (ECA) Verrat ("Spiegel"-Titel der jüngsten Ausgabe) an allen mittleren und kleineren darin organisierten Vereinen geübt habe, wies Rummenigge "in aller Entschiedenheit und Klarheit zurück. Das Votum für die zwischen UEFA und ECA verabredete Reform fiel einstimmig aus." Weder er noch der FC Bayern München hätten jemals zum Nachteil der ECA gehandelt. In dieser Saison trat eine Reform der Champions League in Kraft, die kurz gesagt den großen und erfolgreichen Clubs mehr Einnahmen sichert. Im vorigen Jahr trat Rummenigge nach zehn Jahren an der Spitze als Vorsitzender der ECA zurück - und wurde erster Ehrenvorsitzender.

FC Bayern: Haben nichts mit Plänen zu tun

Die nun aufgetauchten Pläne einer European Super League seien "dem FC Bayern weder bekannt, noch hat der FC Bayern an Verhandlungen hierzu teilgenommen". Ebenso sei den Münchnern nicht bekannt, warum sie überhaupt in dem Entwurf einer bindenden Absichtserklärung aufgeführt worden sind. Das Dokument fand sich in der Mail der Firma Key Capital Partners an den Präsidenten von Real Madrid, Florentino Pérez. Der FC Bayern wird darin als einer der elf Gründervereine der privat organisierten Eliteliga genannt, in der 16 Topclubs spielen sollen.

Watzke: "Fühlen uns in der Bundesliga pudelwohl"

Wenn die Clubs die bindende Absichtserklärung wie anvisiert noch im November unterschreiben, wäre beim Start in drei Jahren auch Borussia Dortmund als einer von fünf Gästen dabei. "Ich habe deutlich gesagt, dass Borussia Dortmund für keinen Wettbewerb dieses Planeten die Bundesliga verlassen würde", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Sportschau. "Die Bundesliga ist deutsches Kulturgut. Das steht über allem. Da bin ich eben auch Traditionalist." Ebenso entspannt zeigte sich Schalkes Manager Christian Heidel: "Ich sehe das bei weitem nicht so dramatisch wie die aufgeregte deutsche Fußball-Welt." Wenn er es richtig verstanden habe, meinte Heidel, sei der FC Bayern zu dem Schluss gekommen, dass es nichts ohne Bundesliga geht. "Es bleibt also alles wie zuvor; deswegen rege ich mich auch nicht auf."

Heldt: "Dann sollen sie doch gehen"

"Unsere Super League heißt Bundesliga", sagte Frankfurts Sportchef Fredi Bobic. Was an den Plänen dran sei, könne er nicht beurteilen. Wenn es aber nur noch Lizenz-Ligen gebe, "dann würden wir aber auch gegen den Fan arbeiten". Sein Hannoveraner Kollege Horst Heldt sieht die Situation ähnlich entspannt: "Wenn sie die Klasse verlassen wollen, dann sollen sie doch gehen." Sorgen mache er sich keine. "Ich glaube, dass die, die das inszenieren, sich selbst ein Bein stellen. Die Leute wollen die nationalen Ligen sehen." Gerade auch bei Vereinen wie Dortmund oder Schalke könne er sich das nicht vorstellen. "Dann würden sie ihre Seele verlieren - und ihre Zuschauer auch."

Europäische Ligen fordern harte Konsequenzen

Dass die Pläne öffentlich geworden sind, sieht die Vereinigung der Europäischen Fußball-Ligen (EL) durchaus auch als eine Chance an. Nun lägen die Fakten auf dem Tisch und man könne sich damit auseinandersetzen, sagte EL-Generalsekretär Georg Pangl. Harte und konsequente Maßnahmen mahnt er im Interview mit dem NDR an - bis hin zum Ausschluss der möglichen Super-League-Vereine aus der UEFA und den nationalen Ligen. Sollten die Clubs die bestehende Struktur zerstören wollen (Pangl: "Ich sage jetzt ganz brutal aus Geldgier"), sei für ihn die größte Frage: "Wie erklärt man das seinen Fans?" Die Fans wollten die nationalen Meisterschaften sehen und die Derbys. "Wir als europäische Ligen wären aber gefordert, diese großen Clubs von den nationalen Ligen auszuschließen, was auch die UEFA von den internationalen Wettbewerben tun müsste." Dann würde er gerne das Bild sehen, "wenn die sogenannten Investoren ihr Geld zurückhaben wollen", sagt Pangl, "wenn sie abspringen, weil auch der Fan die Nase voll hat".

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | 04.11.2018 | 21:45 Uhr

Stand: 03.11.18 16:52 Uhr